Wenn man den öffentlichen Nahverkehr im Landkreis Goslar ehrlich betrachtet, dann fällt eines sofort auf: Wir haben drei verschiedene Zuständigkeiten für ein und dasselbe System. Die Stadt Goslar betreibt ihren eigenen Stadtbusverkehr, Bad Harzburg ebenso – und der Landkreis organisiert zusätzlich den Regionalbus über die HarzBus GbR. Jeder arbeitet für sich, jeder hat eigene Fahrpläne, eigene Taktungen, eigene Finanzierungsmodelle. Was dabei fehlt, ist ein gemeinsames Gesamtsystem.
Das Ergebnis ist, dass Busse manchmal doppelt fahren, während an anderer Stelle Lücken bleiben. Zwischen Goslar und Bad Harzburg etwa fahren sowohl Stadtbusse als auch HarzBus-Linien, aber nicht synchronisiert. Wer in Bad Harzburg aussteigt, muss oft auf den nächsten Anschluss warten, obwohl der Bus nach Goslar in Sichtweite abfährt. Das ist weder effizient noch bürgerfreundlich.
Besonders deutlich wird das Problem am Beispiel der Bahnverbindungen nach Braunschweig. Zwischen Goslar und Bad Harzburg fahren zwei verschiedene Erixx-Linien (RB 42 und RB 43), die sich in Vienenburg treffen und ab dort denselben Abschnitt nach Braunschweig bedienen. Würde der Busverkehr zwischen Bad Harzburg und Vienenburg besser abgestimmt, könnten beide Linien auch für Bad Harzburg nutzbar sein – und die Stadt hätte damit praktisch einen Halbstundentakt nach Braunschweig, ohne dass ein einziger zusätzlicher Zug fahren müsste.
Das zeigt:
Es geht nicht darum, mehr Geld auszugeben, sondern bestehende Mittel klüger zu koordinieren. Eine zentrale Organisation des ÖPNV – also eine gemeinsame Verkehrsgesellschaft für Stadt und Landkreis – könnte Fahrpläne abstimmen, Umläufe zusammenlegen, Personal effizienter einsetzen und die Anschlüsse an Bahn und Stadtverkehr deutlich verbessern. Das wäre ein echter Fortschritt für Pendler, Schüler und Touristen gleichermaßen.
Der Landkreis Goslar braucht kein Nebeneinander mehr von Stadtbus Goslar, Stadtbus Bad Harzburg und HarzBus GbR. Er braucht ein gemeinsames Konzept, das Stadt und Land endlich als eine Mobilitätsregion begreift. Denn nur wenn Bus und Bahn zusammenarbeiten, entsteht aus Linien ein echtes Netz – und aus Papierfahrplänen ein verlässlicher Takt für die Menschen, die ihn jeden Tag brauchen.
